Buchtipp des Monats

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COLSON WHITEHEAD

HARLEM SHUFFLE

 

In seinem neuesten Roman geht der zweifache Pulitzerpreisträger zurück in das Harlem der Zeit zwischen 1959 und 1964, Jahren also, als dieser New Yorker Stadtteil in den Medien Schlagzeilen machte wegen hoher Kriminalität, Drogen und Rassismus.

 

Held oder besser Hauptfigur des Buchs ist Ray Carney, der in Harlem einen kleinen Möbelladen besitzt und sich immer auf einer Gratwanderung befindet zwischen dem Versuch, anständig durchs Leben zu kommen und der Notwendigkeit, wegen finanzieller Probleme gelegentlich mit dem Gesetz in Konflikt zu geraten. Dieser Ray Carney wird von Whitehead recht sympathisch geschildert, der Leser kann sich in seine Zerrissenheit vor allem zwischen seinem kriminellen Cousin Freddie und seiner eher soliden Frau Elizabeth hineinversetzen.

 

Eine zweite Hauptfigur ist sozusagen das damals noch sehr arme Viertel selbst, das Whitehead sehr lebendig schildert. Wenn man dem Klappentext nicht entnehmen würde, dass der Autor erst 1969 geboren wurde, könnte man meinen, er hätte in dem Roman eigene Erlebnisse verarbeitet. Dafür wäre er aber nicht nur zu spät geboren, sondern auch im falschen Stadtteil (Manhattan) und in der

falschen Gesellschaftsschicht, denn seine Eltern waren eher wohlhabend. Umso verblüffender ist,

wie authentisch Personen und Handlungen wirken.

 

Wie die Hauptfigur, so schafft auch die Geschichte selbst eine Gratwanderung – die zwischen Gaunerkomödie und packendem Thriller.

 

Den Titel verdankt das Buch übrigens wohl dem 1963 erschienenen gleichnamigen Song des afroamerikanischen Duos Bob & Earl, den man auch gut als „Soundtrack zum Buch“ anhören kann. Bei uns bekannter ist vielleicht die viele Jahre später erschiene, ebenfalls hörenswerte Coverversion der Rolling Stones.

 

 

 

 

 

 

 

 

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