Das Haus

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Der Bücherturm am Sèter Platz nachts beleuchtet. Bild: © Dominik Weiss

Der Rundling als Notlösung

Die Neuburger nennen ihre Stadtbücherei von Beginn an Bücherturm. Die durchaus provokante und zu Beginn nicht unumstrittene Architektur gibt den Namen ja quasi vor. Interessant ist die Geschichte des 1991 eröffneten Rundbaus vor allem, wenn man weiß, dass der Turm samt Inhalt eigentlich eine Notlösung war. Aber der Reihe nach...

Die Entstehung

In den späten 1980er Jahren machten sich die Stadtväter Gedanken zur Umgestaltung des innerstädtischen Areals rund um die privaten Anbauflächen der Gärtnerei Fürst. Aus den privaten Gewerbeflächen und teils nicht gerade ansehnlicher Hinterhöfe sollte ein öffentlicher Platz mit Tiefgarage und zahlreichen Durchgängen werden – ein echtes Mammutprojekt.

An der Stelle des heutigen Bücherturms sollte ein Pavillion mit Cafébetrieb entstehen, doch es fand sich schlicht und ergreifend kein Investor bzw. Betreiber. Während die Baurbeiten bereits liefen, suchte man nach einer alternativen Nutzung und da kam unter anderem der Gedanke auf, eine die Städtische Bibliothek hier unterzubringen.

Eine solche gab es bereits seit 1951 – erst im alten Finanzamt an der Fünfzehner Straße, dann im Weveldhaus und schließlich im städtischen Gebäude an der Bahnhofstraße.

Jetzt bestand die Chance, eine Unterbrinung in der zentralen City hinzubekommen. Diese nutze der Stadtrat und so entstand für rund 3,8 Millionen Mark der leichte und transparente Glaskörper samt Anbau. Und das war nicht nur innovativ und sicherlich auch provokant, sondern auch zwingend erforderlich, konnte man aus rein statischen Gründen nämlich nur ein vergleichsweise leichtes Bauwerk auf die Tiefgarage setzen.

Heute darf man nicht verschweigen, dass es auch teils massive Kritik gab. Der Stadtrat hat sich jedoch vom mehrheitlich gefassten Beschluss nicht mehr abbringen lassen.

Erfolgsprojekt

Im Juli 1991 konnte das besondere Bauwerk feierlich eingeweiht werden. Der neue Platz samt Stadtbücherei stellte eine echte Bereicherung und nach wenigen Wochen einen Magneten des belebten Geschäftsviertels dar. Gerade die Gegensätzlichkeit zur umliegenden Bebauung und auch zum Schloss selbst, darf bis heute als architektonische Bereicherung gesehen werden. Kein Wunder, dass der durchaus eigenwillige Rundling in das Buch "Die 100 schönsten Bibliotheken Deutschlands" aufgenommen wurde.

Innerhalb kürzester Zeit waren doppelt so viele Ausleihen wie am bisherigen Standort in der Bahnhofstraße zu verzeichnen.

Heute ist der Bücherturm ein echtes Kommunikationszentrum in der Unteren Stadt, in dem es weit mehr gibt, als die ursprüngliche Bücherleihe. Neben einer facettenreichen Medienleihe kann man aktuelle Zeitungen und Zeitschriften lesen, Theaterkarten und sonistige Tickets kaufen, Veranstaltungen für alle Generationen besuchen oder einfach nur Menschen treffen. Seit 2007 betreibt die Stadt Neuburg im Bücherturm auch ein Bürgerbüro mit umfassendem Angebot.


Bernhard Mahler im Oktober 2019