Herzfaden
Schauspiel
Burghofbühne Dinslaken
Hannelore „Hatü“ mag ihren Vater lieber als alles auf der Welt. Ihren Vater, der im II. Weltkrieg von heute auf morgen eingezogen wird und die Familie verlassen muss. Ihren Vater, der als leidenschaftlicher Puppenspieler zu rückkehrt und ihr mit dem Wenigen, das sie haben, das Marionettenschnit zen beibringt. Und ihren Vater, mit dem sie die Augsburger Puppenkiste gründen und viele Jahre leiten wird. „Das ist der Herzfaden. Der wichtigste Faden einer Marionette. Nicht sie wird mit ihm geführt, sondern mit ihm führt sie uns. Der Herzfaden einer Marionette macht uns glauben, sie sei lebendig, denn er ist am Herzen des Publikums festgemacht.“ Diese Philo sophie der berühmten Puppenbühne ist auch über Urmel und Jim Knopf hi naus bis heute lebendig. Er entführt in immer ausverkauften Vorstellungen nach wie vor Kinder wie Erwachsene in märchenhafte Welten. Mehr als 70 Jahre nach Gründung der Augsburger Puppenkiste verirrt sich ein junges Mädchen auf den Theater-Dachboden. Sie taucht ein in eine mär chenhafte Parallelwelt, in der die Zeit stehengeblieben scheint. Sie trifft auf den Geist Hatüs und viele liebgewonnene Figuren aus der jahrzehntealten Bühnen-Geschichte. Gemeinsam mit ihnen durchlebt sie die Geburt und den langen Weg der Augsburger Puppenkiste von Familie Oehmichens Wohnzim mer durch Kriegs- und Nachkriegswirren bis hin zum großen Durchbruch. Anders als die Puppenkiste-Welt ist diese Geschichte nicht immer bunt und leicht. In einer Zeit, in der Deutschland sich zerstört hat und nach Kriegsen de langsam und entbehrungsreich eine neue Identität finden muss, braucht es Visionen und Leidenschaft. Es braucht Mut, sich auch der Frage nach Schuld und Verantwortung zu stellen. Trotz aller Widerstände schreiben Hatü, ihr Vater und alle Mitstreitenden ihre eigene Geschichte. Warmherzig, entschlossen, fantasievoll – und vor allem gemeinsam